© Peter Riegler

🗣️Nachlese: Digitales Lernen

It`s the end of the world and we teach/educate/know it …

Der Vortrag von Nina Grünberger (Universität Innsbruck) führte von der Auseinandersetzung mit der Postdigitalität inkl. ihrer kulturellen und pädagogischen Dimension über die Implikationen für das Lernen im digitalen Zeitalter. Im zweiten Teil wurden aktuelle Entwicklungen des wachsenden diffamierenden Einflusses von Tech-Konzernen (inkl. der von ihnen vertretenen Weltsichten) auf die Demokratie und neue Formen von Faschismus diskutiert. Es zeigte sich die Metapher des Mythos in Form des Denkens über Digitalität, als auch in unserem (Un)Vermögen die undurchsichtigen, unbestimmten Entwicklungen sprachlich zu beschreiben.

Everyday-practice – man kann nicht mehr nicht digital sein!

Der Einstieg macht deutlich, dass die oft beschworene „Digitalisierung“ bereits ein Mythos ist. Unser Leben ist de facto in großen Maßen digital geprägt, dass der Einzelne der Kultur der Digitalität nicht mehr entgeht. Es gibt keine Welt mehr außerhalb von Digitalität, und das prägt unsere Sichtweise und aller darin Aufwachsenden.

Verhältnis Mensch-Maschine-DATA als erweitertes (politisches) Grundproblem?

Der mit der Aufklärung Fahrt aufgenommene Rationalismus, der sich ebenso der Metaphorik der Maschine annäherte, wird nun durch die turbokapitalistische Techindustrie in Form und Inhalt global geträumt: über den Körper hinaus zu leben, den Weltraum zu kolonialisieren und auch discriminating data, dass zu einer Bündelung des Gleichen – weiß-männlich-christlich – als Fortschrittsideologie führt. Wenn zu wenige Reiche oder viele Gleiche glauben einzig richtig zu liegen, dann besteht für die öffentliche Debatte ein Problem. Wenn dann noch die algorithmische Logik und Kapitalismus dazukommt, dann entstehen mehrere.

Wer rettet hier wen?

Algorithmen sind nichts komplett Neues, doch ihre Durchdringung erweist sich als vielfältiges interdisziplinäres Handlungsfeld für die Bearbeitung. In Zeiten der Polykrisen, die die Welt am Abgrund sehen (Atomkrieg, Klimakrise, Seuchen) und die mediale Debatte sich in Richtung social media verlagert hat, gibt es nicht mehr die gemeinsamen Orte, wo Information, Wissen und Gemeinschaft zusammenkommen. Die Künstliche Intelligenz ist undurchschaubar, aus Nutzersicht unberechenbar und damit selbst mystisch. Dass eine von Menschen geschaffene Maschine zugleich Menschensortierung betreibt und uns dennoch der Begriff der digitalen Eugenik befremdlich erscheint, sollte uns zu denken geben und Anlass zu einer kritischen Auseinandersetzung jenseits wohlklingender Heilsversprechen scheinbar unbegrenzter Möglichkeiten bieten.

Fach Medienbildung als black box

Für das neue Fach Digitale Grundbildung als auch für das Unterrichtsprinzip Medienbildung bedeutet diese beschriebene Digitalitätsvorlage etwas für ein Fach Unübliches: Das Fach gibt sich als black box für Lehrpersonen als auch Schüler:innen aus. Das Fachliche ist nicht entschlüsselbar, gleichwohl die Annahme, dass das Digitale aus O und 1 besteht, nicht weniger richtig geworden ist. Nina Grünberger operiert hier mit dem Begriff der Opazität. Unser Verstehen des Digitalen ist nicht klar, kann es nicht sein, aber es ist auch nicht komplett schwarz. Die Box ist weichgezeichnet, es ist ein trüber Blick, der umso kritischer einer gemeinsamen Auseinandersetzung bedarf.

Spekulative pädagogische Umarmung der black box

Der Vortrag ermutigte zur unbeirrbaren pädagogischen Kritik, auch wenn sie sich irren könnte. Durch den hohen Spekulationsgrad ist dies gar nicht anderes möglich. Die anschließende Debatte machte deutlich, dass menschliches Denken auch von Kategorien lebt, maschinelles Denken nur Kategorien „ausspuckt“, unsere digitale Verstricktheit generational zunimmt, Vertrauen in die Maschinen weniger Bedeutung hat, als ihre Nutzung, und die großen Fragen, die wir sprachlich mit Ach und Krach in Worte fassen können, Fragen der Bildungsphilosophie (und damit schnell Bildungstheorie) sind. Wenn Denken zu schnell als Philosophieren kategorisiert wird – was sagt uns das?

Selbst gedacht.

Das ist das Ende der Mythos-Reihe im Rahmen der Positionen & Kontrapunkte – es lebe der Mythos!

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