Am 1. Fishbowl-Gespräch „Zum Umgang mit dem Kopftuchverbot im Schulalltag“ am 6. Mai 2026 haben über 100 Personen teilgenommen – ein Großteil Studierende von der PH Wien. Die Diskussionen waren angeregt, viele Studierende haben den Raum für den Diskurs mutig genutzt und sich eingebracht. Die Themen und Inhalte der Diskussionen waren sehr vielfältig, von den Erfahrungen der Anwesenden geprägt, sowohl aus professionell-pädagogischen Bereichen ebenso wie aus persönlichen Lebenswelten.
Einleitend haben sich die „fixen Diskutant*innen“ aus dem „inneren Kreis“ der Diskussionsrunde vorgestellt und jeweils ein kurzes Statement eingebracht. Berührend war der Einstieg von einer Schulleiterin, die einen Text von einer Schülerin mitgebracht hat. Sie hatte der Schülerin von der Veranstaltung erzählt und die hat spontan angeboten, einen Brief zu schreiben, der sich an alle Anwesenden wendet. In diesem Brief wurden bereits jene Ambivalenzen angesprochen, die uns den ganzen Abend weiter begleitet haben – zusammengefasst: Ja, ein Verbot kann Mädchen unterstützen, die zum Kopftuchtragen genötigt werden, sei es von der Familie oder von Mitschülern; aber viele Mädchen tragen das Kopftuch freiwillig, aus Überzeugung und aus unterschiedlichsten Gründen. Und Nein, niemand hat das Recht, Mädchen vorzuschreiben, was sie tragen dürfen und was nicht.
Diskursräume wurden vor allem auch von Muslimischen Frauen genutzt, die über ihre Diskriminierungserfahrungen berichtet haben, die sie aufgrund ihres Kopftuchs tagtäglich machen. Insbesondere wurde von ihnen das Dilemma angesprochen, wie sie als sichtbare Muslima erklären sollen, dass es in der Schule verboten ist, ein Kopftuch zu tragen. Der Zwangscharakter des Verbots ist bei den Debatten in den Mittelpunkt gerückt.
Als Antworten auf die Fragen, wie im Schulalltag mit dem Verbot umgegangen werden kann wurden vorrangig Dialog und Diskurs angeregt – also mit dem Kollegium, mit Eltern, vor allem aber mit Schüler*innen über ihre Erfahrungen, Meinungen, Haltungen in den Austausch zu gehen. Raum öffnen für Fragen zu Diskriminierungen, Stereotypen und Vorurteilen, Verboten, Rassismen und Aushalten von Ambivalenzen in einer pluralen Klasse/Schule/Gesellschaft, Meinungsbildung und Diskussionskultur im Klassenzimmer fördern. Dies wurde von einigen Diskutant*innen auch als Chance verstanden, dass mit dem Kopftuchverbot ein Diskurs initiiert wurde, der nun an Schulen geführt werden kann.
Selbstverständlich zeigen sich in solchen Formaten, wie Diskurse in migrationsgesellschaftlichen Ordnungen verlaufen und wie herausfordernd es ist, rassismuskritisch und diskriminierungssensibel mit polarisierenden Themen umzugehen.
Jedoch – das Ziel, mit mehr Wissen nach dem Fishbowl-Gespräch nach Hause zu gehen als man hergekommen ist, wurde erreicht! Die Vielzahl und Vielstimmigkeit der Beiträge werden noch lange nachwirken und Denkprozesse begleiten und alle Teilnehmenden für das Thema weiter sensibilisieren.
Dank an den Kreis der fixen Diskutant*innen!
· Umihana Arslan-Vejsilovic
o Studentin an der PH Wien, Klassenlehrerin einer Vorschulklasse in Wien 10
· Gerit Brunner
o Lehrende an der PH Wien
· Barbara Falkinger
o Direktorin der MS Obere Augartenstraße, Wien 2, Mit-Herausgeberin der Zeitschrift „schulheft“
· Paul Felsenstein
o Jurist, Quereinstieg-PH-Student, Klassenlehrer einer VS-Klasse in Wien 14
· Markus Grass
o Dienstrechtsexperte und Gewerkschafter, Lehrer an einer AHS/MS im 22. Bezirk, Personalvertretung und Mitglied im ZA AHS und in der Bundesleitung der GÖD-AHS als Teil der ÖLI-UG
· Adi Solly
o Direktor der VS Julius Meinl Straße in Wien 16
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