Der Semesterschwerpunkt „Mythos: Vom Lehren zum Lernen“ wurde im nächsten Denkschritt mit der inklusiven Dimension von Lernen vertieft. Ausgehend von der Frage „LERNEN INKLUSIV – WAS ZEIGT DIE PRAXIS?“ und Eingangsstatements von Tobias Becker, Linda Kopitsch und Florentine Paudel kultivierten wir Sitzkreis-Variationen. Exklusiven Einblick in den Schulalltag gaben uns nahezu fertig ausgebildete Berufsschullehrer:innen. Hier nun die Zusammenfassung der wesentlichen Aspekte:
Inklusive Settings zeigen sich (noch?) kontingenter
Inklusive Settings stellen neue Fragen in Bezug auf Vorstellungen und Ideen von Normbegabungen, Standards und benötigen oftmals ein Umdenken von Perspektiven und Einstellungen. Da kommt mitunter Brüchiges, Fragiles und Offenes zutage. Neben den gesetzlichen Bestimmungen kommen ebenso technische, personelle, zeitliche und räumliche Aspekte in die Gesamtschau. Die erste Runde machte sichtbar, dass es vielfältige Konstellationen gibt, die als kontingent bis schwierig erfahren werden. Dies wurde unter anderem als „Schwimmen mit Elan“ von den Teilnehmenden beschrieben.
Die Veranstaltung verdeutlicht, dass Inklusion in der Praxis häufig noch einem engen Verständnis mit Fokus auf Behinderung folgt. Dies spiegelt sich dann auch in der Forderung nach Spezialexpertisen, die es sonderpädagogisch braucht oder nicht bzw. die offensichtlich fehlen. Daraus entstehen Unsicherheiten im Unterrichtsalltag – etwa bei der Frage nach Zuständigkeiten für unterschiedliche Lern- und Unterstützungsbedarfe sowie beim Einsatz individueller ausgleichender Maßnahmen (ehemals Nachteilsausgleich). Gleichzeitig benannten Lehrpersonen konkrete strukturelle Hürden: nicht barrierefreie Verwaltungsprozesse, erhöhte Arbeitsbelastung durch Personalmangel, fehlende Teams und zusätzliche Wochenstunden.
Für die Forschung ergeben sich hier übersetzende und vermittelnde Rollen zwischen Theorie und Praxis: die Bedeutung von nonverbaler Sprache, die partizipative Erprobung von Forschung mit Pädagog:innen und Schüler:innen sowie die emanzipatorische Kraft alle Perspektiven einzubinden.
Inklusive Settings zeigen sich (noch?) emergenter
Der Begriff der Störungen fand sich in den Diskussionen auf mehrfache Weise: Störungen auf personaler Ebene beim Lernen oder dem Sozialverhalten und Störungen im Unterrichtsgeschehen. In einem Sitzkreis kam die Metapher von Kindern mit mehr Unterstützungs- und Förderbedarf als Seismographen auf. Hier wird angezeigt, dass es auch anders möglich sein kann. Der Umgang mit Geräuschen, Lärm, Aufgaben- und Arbeitslogiken, Leistungsanforderungen wird dann für die gesamte Klasse und Schule eine Frage des gemeinsamen Umgangs: Brauchen wir das vielleicht alle? Was wäre möglich?
Die Begriffsverwendung des Settings ist ebenso aufschlussreich: Setting verweist auf die Gestaltungslogik von Verhalten und Verhältnissen als auch auf die institutionelle Einbettung. Innerhalb des Settings wird Pädagogisches wirksam und beeinflusst wiederum dieses mitsamt seinen Erfahrungsmöglichkeiten selbst.
Imperative sind doch auch nur Befehle
Die Forderungen und Rufe nach (mehr) Fortbildungen löst oftmals das pädagogische Wirken und Zusammenspiel mehrerer Ebenen nicht auf. Im Berufsschulbereich gibt es hingegen auch Leistungsanforderungen seitens der (Lehr-)Betriebe. Diese Struktur lässt sich analog in der Lehrausbildung und im nachfolgenden, teilweise zeitgleich stattfindenden schulischen Arbeitsmarkt beobachten. Das Verstehen der unterschiedlichen Mehrebenen-Logiken setzt einen Perspektivenwechsel voraus.
Neben dem Teilen von Fallkonstellationen kam auch gegen Ende die inklusive Dimension von Lehrenden zur Sprache. Wie bereit sind wir als Gesellschaft für Pädagog:innen mit Einschränkungen oder Beeinträchtigungen? Welche Bedeutung spielen Vorbilder? Dies führte auch zum „unwissenden Lehrmeister“ von Rancière oder Célestin Freinet, der in seiner Pädagogik auch aus der eigenen Bewältigung seiner Kriegsverletzung heraus, das nicht mehr Können, als Form der Abgabe von Kontrolle aufgriff und integrierte.
Gesellschaftlicher Anspruch und pädagogische Eigenstruktur
Gesellschaftlich wurde die starke Leistungsorientierung kritisch reflektiert – insbesondere mit Blick auf jene Kinder und Jugendlichen, die diesen Anforderungen aus unterschiedlichen Gründen nicht gerecht werden können. Die Ausbildungspflicht zeigt dabei ambivalente Effekte: Lernende befinden sich nicht immer an dem Ort, an dem sie sein wollen oder lernen können. Pädagogisch wurde hervorgehoben, wie zentral Motivation, Anstrengungsbereitschaft und der Umgang mit Langeweile und Scheitern für Bildungsprozesse sind – Erfahrungen, die im Alltag vieler Jugendlicher zunehmend fehlen. Als zentrale Ausblicke wurden die bewusste Gestaltung von Übergängen sowie klare, standortspezifische Visionen für inklusives Lernen hervorgehoben.
Für Kontrapunkte sorgten der Begriff der Haltung, als auch die Nichteinlösung der Stützlehrer:innen, sowie das individuelle Widersprucherleben in der Praxis.
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