© Lena Kurz (2026)

Thomas Strasser auf der didacta: KI und Lehrkräftebildung im Fokus

Im Rahmen der internationalen Bildungsmesse didacta in Köln sprach Thomas Strasser (I:SAB, PH Wien) am 10.2.2026 über aktuelle Entwicklungen an der Schnittstelle von Lehrkräftebildung und Künstlicher Intelligenz. Im Zentrum seines Beitrags stand die Frage, wie sich professionelle Handlungskompetenzen von Lehrkräften im Kontext generativer KI verändern – und welche Rolle Lehrer*innenbildung dabei spielt, diese Entwicklungen nicht nur zu begleiten, sondern aktiv zu gestalten.

Ausgehend von aktuellen internationalen Forschungsdiskursen zeigte Strasser, dass der Einsatz von KI im Unterricht nicht als rein technologische Erweiterung verstanden werden kann. Vielmehr erfordert er eine Weiterentwicklung professioneller Kompetenzen, die über den reinen Umgang mit Tools hinausgehen. Dazu zählen insbesondere die Fähigkeit zur didaktischen Einbettung von KI-Anwendungen, ein reflektierter Umgang mit algorithmisch erzeugten Inhalten sowie ein grundlegendes Verständnis für deren Funktionslogiken und Grenzen.

Ein zentraler Bezugspunkt war dabei das Konzept der AI Literacy, das Strasser differenziert auf die Anforderungen der Lehrkräftebildung übertrug. Er diskutierte verschiedene Kompetenzmodelle und verdeutlichte, dass zukünftige Lehrkräfte nicht nur über technisches Wissen verfügen sollten, sondern vor allem über die Fähigkeit, KI kritisch zu bewerten, lernwirksam einzusetzen und im Sinne einer verantwortungsvollen Bildungspraxis zu kontextualisieren.

Darüber hinaus präsentierte er konkrete Beispiele aus der Lehrer*innenbildung. Besonders hervorgehoben wurde die Initiative ELTx – eine institutionenübergreifende Online-Konferenz für Lehramtsstudierende zu Digitalität und Didaktik, getragen von der PH Wien, der PPH Burgenland, der Universität Wien, der Universität Salzburg sowie der Universität Münster. Diese Formate zeigen exemplarisch, wie kollaborative, forschungsnahe Lernräume geschaffen werden können, in denen Studierende den Umgang mit KI nicht nur erproben, sondern auch reflektieren und weiterentwickeln.

Ein besonderer Fokus seines Vortrags lag auf der Perspektive, KI nicht vorschnell als „Gamechanger“ zu rahmen, sondern als didaktischen Reflexionsraum zu nutzen. So eröffnen KI-Anwendungen neue Möglichkeiten für adaptives Lernen, differenzierte sprachliche Diagnostik oder die Entwicklung komplexer Aufgabenformate – gleichzeitig werfen sie jedoch auch grundlegende Fragen nach Bewertung, Transparenz und Fairness auf. Strasser betonte in diesem Zusammenhang die Bedeutung von Chancengerechtigkeit und pädagogischer Verantwortung, insbesondere im Hinblick auf unterschiedliche Zugänge zu Technologie und die Gefahr neuer Formen von Bildungsungleichheit.

Gleichzeitig plädierte er für eine dauerhaft kritisch-reflektierte Haltung gegenüber KI in Schule und Hochschule. Lehrkräftebildung müsse gezielt Lernumgebungen schaffen, in denen technologische Entwicklungen nicht nur angewendet, sondern auch analysiert, hinterfragt und im Sinne einer reflektierten Praxis gestaltet werden. Dies schließt auch die Auseinandersetzung mit ethischen Fragestellungen, mit Fragen der Autorschaft und mit der Rolle von Wissen im digitalen Zeitalter ein.

Mit seinem Beitrag brachte die PH Wien aktuelle Perspektiven aus Forschung und Praxis in die internationale Diskussion ein und unterstrich ihre Rolle als wichtiger Akteur in der Weiterentwicklung einer zukunftsorientierten Lehrkräftebildung. Deutlich wurde dabei: Eine nachhaltige Integration von KI in Bildungsprozesse gelingt nur dann, wenn technologische Innovation konsequent mit didaktischer Expertise, fachlicher Tiefe und reflexiver Professionalität verbunden wird.

Kontakt

Thomas Strasser
Mag. Dr.
Thomas
STRASSER
Hochschulprofessor für Fremdsprachendidaktik und technologieunterstütztes Lehren & Lernen
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