1. Jahrestagung der Sektion „Inklusion, Diversität und soziale Ungleichheit“ (IDU) der ÖFEB

Die erste Jahrestagung der Sektion „Inklusion, Diversität und soziale Ungleichheit“ (IDU) der Österreichischen Gesellschaft für Forschung und Entwicklung im Bildungswesen (ÖFEB) fand von 16. bis 17. März 2026 an der Pädagogischen Hochschule Steiermark statt. Als Gründungstagung der neuen Sektion stand sie unter dem Titel „Inclusion under Threat“ und widmete sich aktuellen gesellschaftlichen, bildungspolitischen und wissenschaftlichen Herausforderungen im Kontext von Inklusion, Diversität und sozialer Ungleichheit. Nähere Infos finden Sie hier: https://oefeb.at/sektionen/inklusion/

Die Eröffnung der Tagung erfolgte im Beisein zahlreicher Ehrengäste und Vertreter*innen der Hochschule, insbesondere des Rektorats der Pädagogischen Hochschule Steiermark. Von Seiten der ÖFEB richtete Univ.-Prof. Mag. Dr. Peter Schlögl, Vorsitzender des ÖFEB-Vorstands, ein Grußwort an die neue Sektion. Anschließend eröffneten die Sektionsvorsitzenden Univ.-Prof. Dr. Tobias Buchner (Universität Wien) und HS-Prof.in Mag.a Dr.in Natascha Khakpour (Pädagogische Hochschule Wien) die Tagung.

Besondere inhaltliche Akzente setzten die beiden Keynotes: Den Eröffnungsvortrag hielt Univ.-Prof.in Dr.in Mai-Anh Boger (Universität Koblenz), die sich mit der gegenwärtigen Situation und Zukunft der Inklusionsforschung auseinandersetzte und die damit verbundene Spannung zwischen Hoffnung und Prekarität herausarbeitete. Am zweiten Tag sprach Univ.-Prof.in Dr.in İnci Dirim (Universität Wien) zur Rolle von Sprache im Bildungssystem und diskutierte kritisch Fragen von Mehrsprachigkeit und Deutschvermittlung unter besonderer Berücksichtigung von DaZ.

An der Tagung beteiligten sich zahlreiche Wissenschaftler:innen mit Beiträgen aus unterschiedlichen theoretischen, empirischen und methodologischen Perspektiven. Auch mehrere Mitglieder des Arbeitsbereichs „Sozio-kulturelle Dimensionen“ des Instituts für Urban Diversity Education (I:UDE) der Pädagogischen Hochschule Wien waren mit eigenen Beiträgen vertreten und wirkten an der inhaltlichen Gestaltung der Tagung mit.

 

Tagungsbeiträge vom I:UDE der PH Wien:

Susanne Binder und Patricia Renner (USTP) haben bei der ÖFEB-Tagung 16. – 17. März 2026 an der PH Steiermark in Graz ihre Erfahrungen aus dem Lehrforschungsprojekt an der FH St. Pölten „Future? Mentoring! Lebensentwürfe und berufliche Perspektiven Jugendlicher im Übergang von Schule zu Ausbildung – Mentoring als mögliche Ergänzung professioneller, sozialpädagogischer Begleitung” (https://research.ustp.at/projekte/future-mentoring) präsentiert und dabei auf die methodischen Herausforderungen von partizipativer Forschung (Methode Photovoice) mit marginalisierten Gruppen (Jugendliche mit Sonderpädagogischem Schulabschluss) fokussiert.

Anna Schopf, Peter Riegler und Florentine Paudel führten durch das Symposium „Pädagogische Grundprinzipien in bedrohten Zeiten: Bildsamkeit und Pädagogische Führung als reflexives Denkgeländer für eine inklusive Bildungspraxis“. Titel der Beiträge: „Noch Unterricht? Pädagogischer Takt zwischen Kybernetik und Kontingenz”, „Vom Affentheater und Robben-Klatschen als Kairos für pädagogische Grundprinzipien” sowie „Die Iplus-Klassen unter der Lupe inklusiver Forschung – Bildsamkeit als Grundvoraussetzung der Partizipation in einem Forschungsprojekt”.

Gerit Brunner und Yvonne Wendelin (Bildungspartner Österreich) haben auf der ÖFEB‑Tagung Inclusion under Threat den zentralen Zielkonflikt zwischen pädagogischer Professionalität und einer zunehmend technokratischen Notverwaltung klar herausgearbeitet. Sie kritisierten, dass Programme wie Teach For Austria zwar akute Lücken schließen, aber gleichzeitig das Risiko bergen, kurzfristige Notlösungen zur strukturellen Alternative zur Lehrer:innenbildung zu erheben. Das damit verbundene Held:innennarrativ verschleiert, dass hochkomplexe pädagogische Situationen nicht durch Crashkurse, sondern durch fundierte Professionalität bewältigt werden müssen. Die Ökonomisierung der Schule – von Output‑Fixierung bis zur Managerialisierung pädagogischer Arbeit verdrängt den emanzipatorischen Kern von Bildung systematisch, so unsere Kritik. Professionelle Inklusion braucht jedoch Reflexionsräume, kollegiale Kooperation und forschendes Lernen statt standardisierter Skill‑Trainings. Ihr Plädoyer richtet sich auf strukturelle Synergien, eine Stärkung der inklusiven Profession und einen Paradigmenwechsel hin zu wachstumsorientierten Lehr‑Lernprozessen.

In einem Poster-Beitrag hat Gerit Brunner analysiert, wie in medialen Darstellungen muslimischer Schülerinnen koloniale Machtverhältnisse fortgeschrieben werden und kulturelle Gewalt legitimieren. Solche hegemonialen Rahmungen gefährden die Identitätsentwicklung junger Musliminnen, da sie defensive Religiosität verstärken und schulische Safe Spaces unterlaufen. Zugleich zeigt die Forschung, dass religiöse Praktiken für viele Mädchen Ausdruck von Autonomie und Zugehörigkeit sind und nicht – wie oft behauptet – ein Zeichen von Unterdrückung. Pädagogisch zentral ist daher nicht die Regulierung religiöser Symbole, sondern der professionelle Umgang mit Pluralität und die Reduktion schulischer Diskriminierung.

Assimina Gouma setzte sich in ihrem Vortrag am 17. März mit rassismus- und linguizismuskritischen Perspektiven auf den medialen Diskurs rund um Thema Schulwahl in der Tageszeitung „Der Standard“ auseinander. Am Beispiel der „Schulwahl“ wird deutlich, wie im öffentlichen Diskurs die Normalisierung von Segregation fortgeschrieben wird. Sowohl journalistische Beiträge als auch Publikumskommentare zeigen, dass diskriminierende Wissensbestände unter dem Vorzeichen „guter Elternschaft“ aktiviert werden, um dem Ideal engagierter Bildungskindheiten-Eltern zu entsprechen.

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