Schulautonome Sprachförderung: DaZ-Fördermodelle im Spiegel der Wissenschaft

Am 21.09.2026 fand an der PH Wien die mittlerweile siebente Veranstaltung in der Serie „Migration und Bildung“ statt. Wie eine wissenschaftlich fundierte und chancengerechte Praxis aussehen kann, beleuchtete Prof. Dr. Heidi Rösch em. (PH Karlsruhe) in ihrem Vortrag „DaZ-Fördermodelle in Deutschland im Spiegel der Wissenschaft“. Im Zentrum stand dabei die Frage, wie strukturelle Maßnahmen, didaktische Ansätze und migrationspädagogische Perspektiven ineinandergreifen müssen, um echte Bildungsgerechtigkeit zu ermöglichen.

Den Rahmen der aktuellen Debatte in Deutschland bildet der Beschluss der Bildungsministerkonferenz (KMK) aus dem Jahr 2025 zur Stärkung bildungssprachlicher Kompetenzen in den sechzehn Bundesländern Deutschlands. Die KMK formuliert darin essenzielle Grundsätze: Sprachliche Bildung muss durchgängig über alle Bildungsetappen erfolgen, sie ist fester Bestandteil der Schul- und Unterrichtsentwicklung und sie soll Mehrsprachigkeit explizit als Ressource nutzen. Ein Blick in die Praxis der deutschen Bundesländer zeigt jedoch eine enorme Vielfalt an Begriffen und Konzepten. Während in manchen Regionen der Fokus auf klassischen „Deutschkursen“ liegt, setzen andere auf umfassende „DaZ-Integrationskonzepte“ oder die gezielte Fachberatung in Schulämtern. Trotz dieser föderalen Unterschiede bleibt die wissenschaftliche Erkenntnis eindeutig: Die ambitionierten KMK-Ziele lassen sich ohne eine systematische und explizite DaZ-Förderung im Schulalltag schlichtweg nicht erreichen.

Ein besonderes Augenmerk legte Prof. Dr. Heidi Rösch bei ihrem Vortrag auf eine selbstkritische Perspektive. Die „Migrationspädagogische Zweitsprachdidaktik“ mahnt an, das Spannungsverhältnis zwischen ermächtigender Sprachvermittlung und gesellschaftlicher Ausgrenzung zu reflektieren. Sprache darf nicht als reines Hierarchisierungsmerkmal dienen. Vielmehr braucht es Ansätze, die den Erfolgsdruck mindern, Raum für Zeit geben und Leistungen in der Erstsprache durch Nachteilsausgleiche sichtbar machen. Erfolgreiche Programme wie QUIMS in Zürich oder das Hamburger Sprachförderkonzept zeigen bereits, wie Durchgängige Sprachbildung, die Einbindung der Erstsprachen (Heritage Language Teaching) und die Qualifizierung von Sprachbildungskoordinator*innen zu einer diskriminierungsfreien und chancengerechten Schulentwicklung beitragen können.

Inwiefern diese Ansätze in Österreich bereits sichtbar sind oder wirkungsvoll umsetzbar gemacht werden sollten, wird Thema beim Abschluss dieser Veranstaltungsserie sein, zu dem wir Sie als Teilnehmer*in gerne einladen möchten: Am 19.10.26 von 16.00 – 18.00 Uhr laden wir zur Diskussion und Reflexion der Anregungen aus den Vorträgen der Serie „Migration und Bildung“ ein. Geleitet wird diese Veranstaltung im Festsaal (4.0.004) von Rektorin Barbara Herzog-Punzenberger (PH Wien) und Univ.-Prof. Dr. İnci Dirim (Universität Wien).

Schreiben Sie gerne ein E-Mail an rainer.hawlik@phwien.ac.at, falls Sie sich nach der bereits erfolgten Anmeldephase für diese Veranstaltung nachträglich anmelden wollen.

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Mag. Dr.
Rainer
HAWLIK

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BEd
Hochschulprofessur für Mehrsprachigkeit mit Schwerpunkt Erstsprachenunterricht
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