Tagung des Zentrums Pädagogisch-praktische Studien der Pädagogischen Hochschule Wien in Kooperation mit dem Zentrum für Lehrer*innenbildung der Universität Wien
19. und 20. November 2026
SCHEITERN ALS PÄDAGOGISCHE GRUNDERFAHRUNG: Perspektiven auf Pädagogisch-praktische Studien
Scheitern gilt in der Bildungslandschaft häufig als ein Moment des Versagens, das vermieden oder schnellstmöglich überwunden werden muss. Dennoch scheint das Scheitern als ständiger Begleiter in die pädagogische Praxis eingeschrieben zu sein (Rödel 2019, 2022). Insbesondere die Allgemeine Erziehungswissenschaft hat in der Vergangenheit jedoch die Tendenz gezeigt, Erfahrungen des Scheiterns eher zu vermeiden oder zu tabuisieren, anstatt sie systematisch zu thematisieren (Rieger-Ladich 2014, 2016; Rödel 2022). Dies mag zum Teil daran liegen, dass die Disziplin lange Zeit stärker darauf fokussiert war, pädagogische Gelingensbedingungen zu formulieren und Ideale zu entwerfen, anstatt sich vorbehaltlos mit dem Status quo und den Grenzen pädagogischer Bemühungen auseinanderzusetzen. Dabei ist ein Scheitern pädagogischer Praktiken allgegenwärtig in einem Feld, das von Natur aus anfällig dafür ist (Rieger-Ladich 2014, 2016).
Pädagogisch-praktische Studien sind ein zentraler Ort, an dem angehende und erfahrene Pädagog:innen (auf Elementar-, Schul- und Hochschulebene) unmittelbar mit der Komplexität pädagogischen Handelns und der Möglichkeit des Scheiterns konfrontiert werden (Agostini et al. 2017; Rödel 2019). Hier zeigt sich, dass Scheitern nicht nur ein theoretisches Konstrukt, sondern eine reale Erfahrung im Prozess pädagogischer Professionalisierung ist.
Diese Tagung zielt darauf ab, das Spannungsverhältnis zwischen Scheitern, Bildung, Lernen und professioneller Entwicklung, v. a. im Kontext der Pädagogisch-praktischen Studien, in einer theoretisch-konzeptionellen und empirisch-erfahrungsorientierten Sichtweise zu beleuchten. Hierfür sollen Zugänge aus der Allgemeinen Erziehungswissenschaft/Allgemeinen Pädagogik für die unterschiedlichen Praxisfelder wiederentdeckt und fruchtbar gemacht werden.
Keynotes
Scheitern auf ganzer Linie - Der Beginn einer Erfolgsgeschichte (Henning Schluß, Universität Wien)
Donnerstag, 19. November 2026, 13:00 Uhr (Hedy-Lamarr-Saal)
Scheitern auf ganzer Linie – Der Beginn einer Erfolgsgeschichte
Die Anfänge der Pädagogik als akademisches Fach und einer reformierten Lehrkräfteausbildung an einer restrukturierten Musterschule als Rekonstruktion eines Scheiterns
Der Vortrag rekonstruiert, wie Trapp an die Hallesche Universität kam, welchen Widerständen und Unterstützern er dort begegnete, wie es Trapp gelang, trotz dieser Widerstände auch die Leitung des pädagogischen Seminars zu übernehmen und wie trotzdem nach relativ kurzer Zeit Trapp resigniert die Universität verließ, was zwar das vorläufige Ende der Pädagogik als eigenständiger wissenschaftlicher Disziplin an der Universität bedeutete, nicht aber universitärer Pädagogik überhaupt. Es kann vielmehr gezeigt werden, wie viele der von Trapp angestoßenen Reformen in die universitäre Praxis auch andernorts aufgenommen und in Halle beibehalten und fortgeführt wurden, wenn auch einstweilen von nominellen Lehrstühlen der Theologie (August Hermann Niemeyer) oder der Philosophie (Friedrich August Wolf).
Zum Scheitern verurteilt? Über Politische Bildung und den Versuch, die „rechte Welle“ zu brechen (Markus Rieger-Ladich, Universität Tübingen)
Donnerstag, 19. November 2026, 18:00 Uhr (Hedy-Lamarr-Saal)
Zum Scheitern verurteilt? Über Politische Bildung und den Versuch, die „rechte Welle“ zu brechen
Schönes Scheitern (Doris Uhlich, Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien)
Freitag, 20. November 2026, 09:00 Uhr (Hedy-Lamarr-Saal)
Schönes Scheitern
Die Choreografin, Performerin und Tanzpädagogin Doris Uhlich arbeitet mit Menschen unterschiedlicher Biografien und körperlicher Einschreibungen, beschäftigt sich mit Nacktheit jenseits von Ideologien, öffnet die Tanzfläche für Menschen mit Beeinträchtigungen und untersucht den menschlichen Körper im Hinblick auf seine mögliche Perfektionierung im Zeitalter des technologischen Fortschritts. In ihrer Keynote gibt die Künstlerin Einblicke in ihre Projekte, in denen das Verhältnis von Vulnerabilität und Stärke oft im Zentrum steht. Bereits in einer ihrer ersten Arbeiten ging es um ein transparentes Scheitern auf der Bühne: Welche Kraft entfaltet sich, wenn Scheitern zum Auftakt einer Suche nach Neuland wird?
Foto siehe Beilage, Quelle: Biografie – Doris Uhlich
Quelle: Biografie – Doris Uhlich
Programm
19.11.2026
12:00–12:30 Uhr: Ankommen und Registrierung
12:30–13:00 Uhr: Begrüßung
13:00–13:45 Uhr: Keynote 1 – Hedy Lamarr Saal
13:45–14:00 Uhr: Pause
14:00–15:30 Uhr: Slot 1
15:30–16:00 Uhr: Pause
16:00–17:30 Uhr: Slot 2
17:30–18:00 Uhr: Pause
18:00–18:45 Uhr: Keynote 2 – Hedy Lamarr Saal
18:45–19:00 Uhr: Abschluss
20.11.2026
08:30–08:45 Uhr: Ankommen
08:45–09:00 Uhr: Begrüßung
09:00–09:45 Uhr: Keynote 3 – Hedy Lamarr Saal
09:45–10:15 Uhr: Postersession
10:15–10:30 Uhr: Pause
10:30–12:00 Uhr: Slot 3
12:00–12:15 Uhr: Pause
12:15–12:45 Uhr: Tagungsrückblick – Hedy Lamarr Saal
12:45–13:00 Uhr: Verabschiedung
13:00–14:30 Uhr: Ausklang
Anmeldung
Zur Anmeldung für die Tagung gelangen Sie hier.
Tagungsort
Pädagogische Hochschule Wien
Ettenreichgasse 45a, Hedy-Lamarr-Saal
1100 Wien
Informationen zur Anreise
Tickets für die öffentlichen Verkehrsmittel erhalten Sie bei den Ticketautomaten der Wiener Linien oder digital über Wien Mobil: https://www.wienerlinien.at/tickets
Kontakt
Organisationsteam der Tagung
Evi Agostini
Sarah Hanzlik
Katharina Krämer
Sandra Matschnigg-Peer
Tamara Peer
Peter Riegler
Pädagogische Hochschule Wien
Grenzackerstraße 18
1100 Wien
E-Mail: tagung-pps@phwien.ac.at