Tampere University war vom 17. bis 21. August 2026 Gastgeberin für über 3.600 Teilnehmer:innen aus aller Welt der European Conference of Educational Research (ECER). Der AB Soziokulturelle Dimensionen hat das Symposium „Interpellation and Agency in Crisis Narratives: How Parents Navigate Education (al institutions) in contexts of entrenched structural inequalities” mitorganisiert.
Polycrisis, Knowing and Acting: Schwerpunkte der ECER 2026
Unter dem Leitmotiv „Knowing and Acting“ diskutierten Wissenschaftler:innen, Pädagog:innen und Studierende Ergebnisse und Analysen über Wissen und Handeln innerhalb globaler und lokaler Machtverhältnisse. Wie kann Bildung(sforschung) gemeinwohlorientiert und autonom agieren, wenn neben wissenschaftlichen Institutionen Regierungen, internationale Organisationen, Think Tanks, (Medien-)Unternehmen und datengetriebene Technologien das Bildungsverständnis beeinflussen? Ebenso relevant für die Bildungsforschung sind Kriege, Umweltzerstörung, Demokratiekrise und der globale Aufstieg des Nationalismus, Phänomene die unter dem Begriff Polycrisis (Morin & Kern, 1999, 74) zusammengefasst werden.
Was können Bildungsinstitutionen dem entgegensetzen – insbesondere unter Bedingungen unübersichtlicher Informationsregimen? Die wachsende Bedeutung von Big Data und standardisierten Indikatoren stärkt bestimmte Zugänge, blendet andere jedoch aus. Gleichzeitig fordern digitale Umbrüche – von generativer KI bis Deepfakes – die Vertrauenswürdigkeit wissenschaftlicher Erkenntnis heraus und verschieben öffentliche Debatten in Richtung Echokammern. (vgl. ECER 2026)
How Navigate Parents Educational Institutions?
Das Symposium „Interpellation and Agency in Crisis Narratives: How Parents Navigate Education(al institutions) in contexts of entrenched structural inequalities” knüpfte an die Debatte um die Polykrise an. Lalitha Chamakalayil (FHNW), Assimina Gouma (PH Wien), Oxana Ivanova-Chessex (PH Zürich) und Ellen Kollender (Leuphana University Lüneburg) analysierten, wie vermeintliche „Krisen“ in Bildungssystemen – etwa als „Flüchtlings-“ oder „Migrationskrise“ etikettiert – multiple, sich überlagernde Problemlagen überdecken und zugleich strukturelle Ungleichheiten stabilisieren. Am Beispiel Österreichs, Deutschlands und der Schweiz untersuchten die Vortragenden, wie Krisennarrative in Schulen und Verwaltungen mobilisiert werden, um Risiken zu benennen, die dann häufig auf rassialisierte und migrierte Eltern und Schüler:innen projiziert werden. Die drei Beiträge des Symposiums beleuchteten, wie Eltern in krisengerahmten Diskursen adressiert und kategorisiert werden, und stellten die Frage, wie Eltern in Kontexten verschränkter Ungleichheiten Bildungsinstitutionen navigieren, Zuschreibungen zurückweisen oder umdeuten und welches Gegenwissen bzw. Kritik und solidarische Praktiken entstehen.
„The Crisis of Privilege? Lessons from Parental Activism”
Der AB Soziokulturelle Dimensionen war mit dem Beitrag „The Crisis of Privilege? Lessons from Parental Activism” vertreten. Assimina Gouma (PH Wien) erläutert anhand von Forschungsergebnissen, wie Integrations- und „Sorgen-und-Ängste“-Diskurse, gestützt durch vermeintlich evidenzbasierte Ungleichheitsdiagnosen, Diversität zwar feiern, zugleich aber innerschulische Segregation legitimieren – etwa indem ein breites ideologisches Bündnis Segregationspraktiken als „gute Elternschaft“ verteidigt, Migrant:innen problematisiert und Gegenpositionen abwertet. Auf Basis von Interviews mit der selbstorganisierten „Anti-Segregation Working Group“ an einer Wiener Volksschule rekonstruierte der Beitrag Widerstandspraktiken, kollektive Subjektivierungen und zeichnete die „Krise des Privilegs“ in der Segregationsdynamik nach.
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